Notfallmediziner Janssens bewertet angekündigte Krankenhausreform teils positiv und teils kritisch

Der Intensivmediziner Uwe Janssens sieht in der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigten Krankenhaus-Reform gute Ansätze, aber auch kritische Punkte. Der Arbeit der Regierungskommission müsse er ein Lob aussprechen, da sie „endlich eine Hinwendung zu einer ganz klaren stufenbasierten Medizin“ vollzogen habe, sagte Janssens im Interview mit dem Fernsehsender phoenix.

Diesen Ansatz gebe es jetzt schon in der Notfallmedizin und werde durch die Reform auf die Gesamtheit der Krankenhäuser übertragen. „Das ist ein richtiger Weg. Es ist richtig, dass wir endlich Krankenhäuser bekommen, die an der ambulanten Versorgung teilnehmen und gar nicht mehr im Fallpauschalensystem vergütet werden“, so Janssens. Dadurch könne man wohnortnahe auch alte Menschen ambulant versorgen, die nicht unbedingt eine stationäre Behandlung benötigten.

Kritisch merkte das Präsidiumsmitglied der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI) dagegen an, dass der Bevölkerung nicht klar gesagt werde, dass der Gürtel „natürlich enger geschnallt“ und „dass die Menge der Behandlungen dringend reduziert“ werden müsse.

„Es wird immer so getan, als wenn alles nur umgeschichtet wird. Das ist nicht der Fall. Es wird definitiv zu Leistungseinschränkungen kommen. Und das muss man den Menschen auch offen sagen, damit sie mitgenommen werden und nicht völlig kopf- und hilflos in die Notaufnahmen laufen“, meinte Janssens. Was das Land derzeit bei der Kindermedizin erlebe, sei genau das, „was wir demnächst aufgrund der Demografie, der Überalterung, auch in ganz anderen Bereichen und auch jetzt schon in vollgestopften Notaufnahmen tagtäglich erleben. Das macht uns mürbe.“

Der Mediziner zeigte sich überzeugt, dass es ungeachtet der angekündigten Reform in kurzer Zeit schon zu Insolvenzen von Krankenhäusern kommen werde. Entscheidend für das Gelingen der Reform sei die Umsetzung durch die Länder.

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